Erwin Wurm
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Der Mann, der sich nackt aus einer Tonne erhebt ist nicht der Philosoph Diogenes von Sinope sondern der Schauspieler Karl Merkatz, der in seinen Theater-und Filmrollen einen Typus des "Wieners" so unverkennbar verkörpert hat, dass er auf diese Rolle immer wieder festgelegt wurde. Aber ein Schauspieler seines Formates überragt selbst eine Figur, die durch seine legendäre Darstellung zu einer Art nationaler Ikone wurde.
In der letzten Szene der dreiteiligen Serie von "One Minute Sculptures" in der Regie des Künstlers Erwin Wurm für das Projekt Wien Mitte signalisiert Karl Merkatz nicht nur den Baubeginn, sondern auch den eigenen ungebrochenen Tatendrang und jene vitale Unangepasstheit, die ihn mit dem radikalen antiken Philosophen verbindet.
Erwin Wurm (*1954)
Der Bildhauer Erwin Wurm gestaltet soziale Situationen als Skulpturen und umgekehrt. Mit einer guten Portion Respektlosigkeit und mit wenig Berührungsangst vor dem Alltäglichen und manchmal auch Banalen hat Wurm die ehrwürdige Skulptur vom Sockel gestürtzt und ins Leben geholt. In seinen "One Minute Skulptures" wird dieses Leben für einen kurzen Zeitraum angehalten um vor allem seine grotesken, absurden und bizarren Facetten im Wortsinn "festzuhalten", die sonst in den gewohnten Abläufen untergehen. Mit den "One Minute Sculptures" hat hat der Künstler eine auch international höchst erfolgreiche Trademark geschaffen, was sich nicht zuletzt an der Zahl der Nachahmungen ablesen lässt. Sein eigenwilliger, elastischer Skulpturenbegriff erlaubt es Erwin Wurm auch in eigentlich fremden Terrains wie etwa Mode und Werbung seine unverkennbare Handschrift einzusetzen und gleichzeitig ironische Distanz zu bewahren.
Konzept und Fotografie: Erwin Wurm
Casting und Produktion: Liquid Frontiers

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